Ein Silberstreif am politischen Horizont: PdH, Partei der Humanisten

Vor einiger Zeit hatte ich zum Aufstand der Anständigen aufgerufen. In meinem Alltag fällt mir dieses Thema regelmäßig vor die Füße. Beinahe täglich wird mir bewusst, dass ich mein Wertesystem in unserer gesellschaftlichen Realität kaum wiederfinde. Gibt es tatsächlich keine Initiative, keine organisierte Bewegung, die den nächsten folgerichtigen Schritt zu mehr Zivilisiertheit einfordert bzw. selbst gestalten möchte?

Meine Eindrücke sind zwar noch recht oberflächlich, ich habe aber den Verdacht, dass ich eine Gruppierung gefunden habe, welche ziemlich genau meine Vorstellung von einer zivilisierten, fortschrittlichen und anständigen Gesellschaft teilt. Die PdH. Die Partei der Humanisten.

Ein Zufallsfund

Ich war nicht aktiv auf der Suche nach einer Partei. Meine Erlebnisse als Mitglied in der Piratenpartei haben mich in Sachen politisches Engagement maximal desillusioniert. Es war ein Zufallsfund, als ich eines Abends den Term „Humanismus“ in die Youtube Suche eingab. Dabei stieß ich auf einen Ausschnitt einer ARD Doku über kleine Parteien, wobei es um die Partei der Humanisten ging.

In diesen etwas mehr als drei Minuten ist es natürlich nicht möglich, den gesamten Geist dieser Partei zu erfassen. Aber ich wurde neugierig, weshalb ich auf die Webseite der PdH surfte und mich dem Humanisten-Test unterzog. Dabei erreichte ich eine Übereinstimmung von 95%. Zudem wurde mir während des Tests bewusst, dass diese Partei für beinahe alles steht, was mir persönlich wichtig ist. Bspw. die Trennung von Kirche und Staat, die Förderung von Forschung und Bildung, Entscheidungsfindungen nach ideologiefreien wissenschaftlichen Erkenntnissen, ein demokratischeres Europa, Transparenz von Lobbyarbeit und ein Bewusstsein dafür, dass auch Tiere empfindsame Wesen sind.

Mein Interesse war endgültig geweckt, weshalb ich mich für den Newsletter der PdH eintrug. Nach einigen Tagen erhielt ich eine Information über politische Stammtische. Obwohl die PdH in meinem Regierungsbezirk noch nicht aktiv ist, fand sich ein Stammtisch an der Grenze zu Oberbayern in Landsberg am Lech. Nach kurzer Diskussion entschieden meine Frau und ich, diesen Stammtisch aufzusuchen – mit einem Vorbehalt: Wir hatten beschlossen, unter keinen Umständen einen Mitgliedsantrag zu unterschreiben!

Leidenschaftliche Diskussionen beim PdH Stammtisch

Das Lokal war gut versteckt und wir brauchten gut 15 Minuten, um den Stammtisch in der Landsberger Innenstadt überhaupt zu finden. Obwohl wir an diesem Abend insgesamt nur zu fünft waren, ergaben sich aber sehr interessante Gespräche und Diskussionen.

Besonders anregend war die Diskussion mit einem Realschullehrer, welcher sich auch über die PdH informieren wollte. Beamte und Unternehmer haben in der Regel ein differierendes Weltbild. Da eines meiner Lieblingsthemen unser Bildungssystem ist, bekamen wir uns auch recht schnell in die Wolle. Während sich der Lehrer über Details, wie bspw. Gesamtschulen oder die legitime Trennung des Bildungsauftrags auf Landesebene ausließ, holte ich die große Axt heraus, um unser aktuelles Bildungssystem am Stamm zu fällen – genau genommen, würde ich es sogar mit samt Wurzel ausreißen wollen, um ein komplett neues System aufzubauen.

Ich konfrontierte den Beamten mit der Tatsache, dass unser aktuelles Bildungssystem schon lange nicht mehr aktuellen Erkenntnissen der Pädagogik und Lernpsychologie entspricht. Trotzig fragte er nach Beispielen, die ich liefern konnte. Ich schilderte, dass in unserem Schulsystem konsequent ignoriert wird, wie Lernprozesse funktionieren und Aufmerksamkeitsspannen von Kindern nicht berücksichtigt werden.

Natürlich wurden wir uns nicht einig. Ich denke aber, dass ich bei dieser Diskussion größtenteils die Positionen der PdH vertreten hatte. Mir ist es persönlich ein großes Anliegen, dass wir aus Schülern keine Befehlsempfänger mehr machen und wir aufhören, ihnen während ihrer Schullaufbahn systematisch die intrinsische Motivation zu rauben, damit sie weiterhin für die Wirtschaft kategorisierbar und leicht zu handhaben bleiben.

Um uns als Gesellschaft weiterzuentwickeln, müssen wir aus jedem Menschen das maximale Potential herauskitzeln, auf dass sie sich im Erwachsenenalter bestmöglich einbringen können. Das schafft nicht nur größtmögliche persönliche Zufriedenheit für jeden Einzelnen, auch unsere Gesellschaft profitiert am meisten davon, wenn jeder sich mit seinen Talenten und Fähigkeiten optimal einbringen kann.

Die Diskussionen mit den Mitgliedern der PdH waren anregend und angenehm. Als Schwaben konnten wir sie leider nicht bei ihrer Unterschriftensammlung für die Zulassung zur Landtagswahl in Oberbayern unterstützen. Auch wenn wir (noch) keine Mitglieder der PhH wurden, ziert seit diesem Stammtischbesuch unser Bekenntnis zur Wissenschaft die Heckseite unseres Autos:

Mein erster positiver Eindruck von der Partei der Humanisten hat sich gefestigt. Ich werde weiter in Kontakt mit der PdH bleiben und die Stammtische besuchen. Sogar eine Mitgliedschaft steht für mich nicht mehr außer Frage.

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